Birgit und Ole in Kenia 2008

Reisebericht Juli 2008
von Ole und Birgitt

Wir (Birgitt und Ole) haben uns in diesem Jahr einen großen Traum erfüllt und haben das weitentfernte Kenia besucht. Zwei wesentliche Programmpunkte hatten wir uns für diese Zeit vorgenommen: Zum einen bot sich die Möglichkeit, Birgitts Schwägerin Maren sowie ihren Mann Lawrence zu besuchen und diesen Aufenthalt dazu zu nutzen sich einen Eindruck von ihrem Kinderhilfsprojekt “Future for Children” in Ukunda zu verschaffen. Andererseits reizte es uns, als laufbegeisterte Hobbysportler, die weltbekannten Wurzeln des Laufens aufzusuchen und in den kenianischen Hochebenen unter den gleichen Bedingungen wie viele große Talente im “Mekka des Laufens” zu trainieren.

Unser Aufenthalt begann mit der Ankunft in Mombasa (der Hafenstadt im Süden Kenias) und der Weiterfahrt ins südlich gelegene Diani Beach. Die Nachbargemeinde von Ukunda bietet mit seinen feinen weißen Sandstränden, seinen Palmen und dem sehr warmen Klima ideale Voraussetzungen für prosperierenden Tourismus. Dieser bleibt, zum Leidwesen der Einwohner, jedoch seit den Unruhen des vergangenen Jahreswechsel und der damit einher gegangenen Presse weitestgehend aus.

Unser Besuch vor Ort des Waisenhausprojekts hinterließ bei uns beiden einen nachhaltigen und bewegten Eindruck. In einer Umgebung, in der viele Menschen täglich “von der Hand in dem Mund” leben und ihr primäres Anliegen in Befriedigung von Grundbedürfnissen ist, erscheint es umso wichtiger nachhaltig, mit großer persönlicher Hingabe und im Einklang mit den Realitäten vor Ort tatkräftige Hilfe zu leisten. Das haben wir dort in beeindruckender Weise vorgefunden. Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist der dauerhafte Beitrag zur Bewirtschaftung der Einrichtung. So bietet heute z.B. der nicht risikolose Bau des Brunnens auch vielen Familien in der Nachbarschaft die Möglichkeit der Trinkwasserversorgung. Sie ersparen sich hiermit die bislang weiten Fußmärsche, sind dankbar und leisten durch die Abgabe einer geringfügigen Aufwandsentschädigung einen Beitrag zum Fortbestand. Dazu wird der Anbau von Getreide und Gemüse, das Halten einer Kuh (mittlerweile mit Kalb), von Hühnern sowie Ziegen zukünftig einen Großteil zur Lebensmittelversorgung der Einrichtung beitragen können. Der Umgang mit Nachbarn, Auftragnehmern und Hilfskräften erfolgt fair, bewusst und im Einklang mit den vorhandenen Ressourcen. Gespannt darf man insbesondere darauf sein, wie sich der Ort mit Leben füllen wird, wenn der solide und durchdachte Hausausbau vollständig abgeschlossen ist. Es hat uns wirklich tief beeindruckt, mit wie viel Einsatz, Vision und Durchhaltevermögen dieses Projekt tagtäglich voranschreitet.

Unser Weg führte uns im weiteren Verlauf, über einen Ausflug in den National Park “Tsavo East”, wo wir die Möglichkeit hatten, viele für uns spektakuläre Tiere (Elefanten, Löwen, Giraffen, Zebras, etc.) in freier Wildlaufbahn zu beobachten, in den Norden Kenias.


Iten als Nachbarort von Eldoret und in einer Höhe von ca. 2.500 Metern ü.N.N. bietet aufgrund seines Klimas, der Höhe sowie seiner Abgeschiedenheit ideale Voraussetzungen für intensives Lauftraining. Die Welt dort oben ist ländlicher geprägt als die Gegend rund um Mombasa. Die Uhren ticken im Vergleich zu unserem heimischen Zeitverständnis erheblich langsamer. Das Leben, der Tagesablauf und die  Ernährung sind einfacher dafür jedoch natürlicher weil direkter. Der Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang und endet mit deren Untergang. Tägliche Erledigungen, wie das Besorgen von Trinkwasser oder die Wäsche von Hand waschen, sind beschwerlicher und viel zeitintensiver als bei uns. Dafür sind die Menschen offen, freundlich, bescheiden und ausgesprochen hart im Nehmen.  Letzteres dürfte wohl auch der Hauptgrund dafür sein, dass sie uns im Laufsport so überlegen sind.  Insgesamt ist das Dasein hart in Kenia. Die Infrastruktur (Straßen, Autos, Sicherheit, Strom- und Wasserversorgung, Hygiene, etc.) für unsere Verhältnisse meist mangelhaft. Umso imponierender war es mitzuerleben mit welchem Engagement und welcher Ausdauer die Bewohner aus ihren vielfach sehr beschränkten Möglichkeiten immer “etwas machen”. Auch hier lässt sich der Bogen zu der Einstellung der kenianischen Läufer spannen: Unter sehr widrigen und körperlich  besonders anstrengenden Rahmenbedingungen (v.a. die dünne Luft in 2.500m Höhe)  sind sie in der Lage ein für uns unerreichbares Trainingsprogramm absolvieren. Der Traum von internationalen Erfolgen, der für so manchen Läufer aus Iten schon Realität wurde – bestärkt viele von ihnen, hart zu trainieren, niemals aufzugeben und auf diese Weise der Armut zu entfliehen. Nur für die wenigsten wird sich dies erfüllen. Dennoch (er)tragen die meisten ihr Schicksal mit Würde und Demut. Dies zu erleben, macht eine Reise nach Kenia zu einem sehr wertvollen Erlebnis.