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Wir (Birgitt und Ole) haben uns in diesem Jahr einen großen Traum erfüllt
und haben das weitentfernte Kenia besucht. Zwei wesentliche Programmpunkte
hatten wir uns für diese Zeit vorgenommen: Zum einen bot sich die Möglichkeit,
Birgitts Schwägerin Maren sowie ihren Mann Lawrence zu besuchen und diesen
Aufenthalt dazu zu nutzen sich einen Eindruck von ihrem Kinderhilfsprojekt
"Future for Children" in Ukunda zu verschaffen. Andererseits
reizte es uns, als laufbegeisterte Hobbysportler, die weltbekannten Wurzeln
des Laufens aufzusuchen und in den kenianischen Hochebenen unter den gleichen
Bedingungen wie viele große Talente im "Mekka des Laufens" zu
trainieren.
Unser Aufenthalt begann mit der Ankunft in Mombasa (der Hafenstadt im Süden
Kenias) und der Weiterfahrt ins südlich gelegene Diani Beach. Die Nachbargemeinde
von Ukunda bietet mit seinen feinen weißen Sandstränden, seinen Palmen
und dem sehr warmen Klima ideale Voraussetzungen für prosperierenden Tourismus.
Dieser bleibt, zum Leidwesen der Einwohner, jedoch seit den Unruhen des
vergangenen Jahreswechsel und der damit einher gegangenen Presse weitestgehend
aus.
Unser Besuch vor Ort des Waisenhausprojekts hinterließ bei uns beiden einen
nachhaltigen und bewegten Eindruck. In einer Umgebung, in der viele Menschen
täglich "von der Hand in dem Mund" leben und ihr primäres Anliegen
in Befriedigung von Grundbedürfnissen ist, erscheint es umso wichtiger
nachhaltig, mit großer persönlicher Hingabe und im Einklang mit den Realitäten
vor Ort tatkräftige Hilfe zu leisten. Das haben wir dort in beeindruckender
Weise vorgefunden. Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist der dauerhafte
Beitrag zur Bewirtschaftung der Einrichtung. So bietet heute z.B. der nicht
risikolose Bau des Brunnens auch vielen Familien in der Nachbarschaft die
Möglichkeit der Trinkwasserversorgung. Sie ersparen sich hiermit die bislang
weiten Fußmärsche, sind dankbar und leisten durch die Abgabe einer geringfügigen
Aufwandsentschädigung einen Beitrag zum Fortbestand. Dazu wird der Anbau
von Getreide und Gemüse, das Halten einer Kuh (mittlerweile mit Kalb),
von Hühnern sowie Ziegen zukünftig einen Großteil zur Lebensmittelversorgung
der Einrichtung beitragen können. Der Umgang mit Nachbarn, Auftragnehmern
und Hilfskräften erfolgt fair, bewusst und im Einklang mit den vorhandenen
Ressourcen. Gespannt darf man insbesondere darauf sein, wie sich der Ort
mit Leben füllen wird, wenn der solide und durchdachte Hausausbau vollständig
abgeschlossen ist. Es hat uns wirklich tief beeindruckt, mit wie viel Einsatz,
Vision und Durchhaltevermögen dieses Projekt tagtäglich voranschreitet.

Unser Weg führte uns im weiteren Verlauf, über einen Ausflug in den National
Park "Tsavo East", wo wir die Möglichkeit hatten, viele für uns
spektakuläre Tiere (Elefanten, Löwen, Giraffen, Zebras, etc.) in freier
Wildlaufbahn zu beobachten, in den Norden Kenias.
Iten als Nachbarort von Eldoret und in einer Höhe von ca. 2.500 Metern
ü.N.N. bietet aufgrund seines Klimas, der Höhe sowie seiner Abgeschiedenheit
ideale Voraussetzungen für intensives Lauftraining. Die Welt dort oben
ist ländlicher geprägt als die Gegend rund um Mombasa. Die Uhren ticken
im Vergleich zu unserem heimischen Zeitverständnis erheblich langsamer.
Das Leben, der Tagesablauf und die Ernährung sind einfacher dafür jedoch natürlicher weil direkter. Der Tag
beginnt mit dem Sonnenaufgang und endet mit deren Untergang. Tägliche Erledigungen,
wie das Besorgen von Trinkwasser oder die Wäsche von Hand waschen, sind
beschwerlicher und viel zeitintensiver als bei uns. Dafür sind die Menschen
offen, freundlich, bescheiden und ausgesprochen hart im Nehmen. Letzteres dürfte wohl auch der Hauptgrund dafür sein, dass sie uns im Laufsport
so überlegen sind. Insgesamt ist das Dasein hart in Kenia. Die Infrastruktur (Straßen, Autos,
Sicherheit, Strom- und Wasserversorgung, Hygiene, etc.) für unsere Verhältnisse
meist mangelhaft. Umso imponierender war es mitzuerleben mit welchem Engagement
und welcher Ausdauer die Bewohner aus ihren vielfach sehr beschränkten
Möglichkeiten immer "etwas machen". Auch hier lässt sich der
Bogen zu der Einstellung der kenianischen Läufer spannen: Unter sehr widrigen
und körperlich besonders anstrengenden Rahmenbedingungen (v.a. die dünne Luft in 2.500m
Höhe) sind sie in der Lage ein für uns unerreichbares Trainingsprogramm absolvieren.
Der Traum von internationalen Erfolgen, der für so manchen Läufer aus Iten
schon Realität wurde – bestärkt viele von ihnen, hart zu trainieren, niemals
aufzugeben und auf diese Weise der Armut zu entfliehen. Nur für die wenigsten
wird sich dies erfüllen. Dennoch (er)tragen die meisten ihr Schicksal mit
Würde und Demut. Dies zu erleben, macht eine Reise nach Kenia zu einem
sehr wertvollen Erlebnis.
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