Fair Trade im Mühltal

„Mühltal in der Champions League“

Ernennung – Gemeinde erhält Urkunde und ist jetzt offiziell Fairtrade-Gemeinde – Idee entstand in Schottland

Mühltal ist offiziell Fairtrade-Gemeinde: Bei der Feier verkaufte Sharina Maleh im Nieder-Ramstädter Rathausfoyer Taschen, die Rita Klein aus Traisa zugunsten des Vereins „Future for Children“, der in Kenia ein Waisenhaus unterhält, produziert.  Foto: Guido Schiek

Mühltal ist offiziell Fairtrade-Gemeinde: Bei der Feier verkaufte Sharina Maleh im Nieder-Ramstädter Rathausfoyer Taschen, die Rita Klein aus Traisa zugunsten des Vereins „Future for Children“, der in Kenia ein Waisenhaus unterhält, produziert.  Foto: Guido Schiek   – ANMERKUNG von Admin FFC: Rita produziert die Taschen nicht – sie ist 
Kassiererin im Verein und verkauft die in Kenia produzierte Ware. 
In einer Feierstunde überreichte Manfred Holz vom Verein „TransFair“ Bürgermeisterin Astrid Mannes die Urkunde mit dem Titel „Fairtrade-Gemeinde“. Fairtrade-Produkte wie Kaffee, Bananen und Schokolade konnten auch probiert werden.
NIEDER-RAMSTADT.Vor drei Jahren fiel Pfarrer Andreas Klein aus Traisa im Urlaub der Titel „Fairtrade-Community“ im schottischen Aberfeldy ins Auge. In den Regalen der Geschäfte fand er eine Vielzahl fair gehandelter Produkte vor. Davon berichtete er der Mühltaler Bürgermeisterin Astrid Mannes, die die Idee sofort aufnahm.

Die Gemeindevertretung stimmte 2012 einer Bewerbung zur „Fairtrade-Gemeinde“ zu. Erik Hornung, in der Gemeindeverwaltung für Wirtschaftsförderung und Sonderprojekte zuständig, nahm das Projekt gern an. „Es war ihm eine Herzensangelegenheit“, lobte Astrid Mannes ihren Mitarbeiter bei der Feier. Eine Steuerungsgruppe aus Vertretern von Politik, Handel, Kirchen und Verbänden bildete sich, die Bewerbung wurde auf den Weg gebracht.

Gegen ungerechte HandelsbedingungenNun konnten die Bürgermeisterin und Volker Busch vom Gemeindevorstand die Urkunde mit dem Titel „Fairtrade-Gemeinde“ entgegennehmen. Manfred Holz, Ehrenbotschafter des Vereins „TransFair“, war dazu angereist und sparte nicht mit Lob für das Engagement der Gemeinde Mühltal, die 237. Fairtrade-Gemeinde Deutschlands.

Sein Verein verleiht den Titel seit 2009, um ein Zeichen für fairen Handel und gegen Ausbeutung zu setzen. „My fair Ladies and Gentlemen“ laute jetzt künftig die Anrede, scherzte er. Die Gemeinde Mühltal spiele jetzt „mit London, Rom und Madrid in der Champions League“. Mit vielen Zahlen lenkte er redegewandt das Augenmerk der rund 70 Gäste im Bürgerzentrum auf die weltweit ungerechten Handelsbedingungen. „Wir müssen anders leben, damit andere überleben“, mahnte Holz. Das Gütesiegel, das für zwei Jahre verliehen wird, soll jedoch kein Beruhigungsmittel sein, sondern Anstoß geben, Vorbildfunktion auch für andere Kommunen zu sein. So hatte sich Mühltal selbst Anleihen in Bickenbach geholt, die erste Fairtrade-Gemeinde im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Neben Mühltal haben sich mit Seeheim-Jugenheim, Ober-Ramstadt und Modautal weitere Landkreis-Kommunen auf den Weg gemacht. Weltweit erfüllen mehr als 1400 Fairtrade-Towns dieselben Kriterien: Parlamentsbeschluss, Einsetzen einer Steuerungsgruppe, Einbeziehung von Handel, Gastronomie und öffentlichen Einrichtungen, Berichterstattung in örtlichen Medien.

Pfarrer Andreas Klein zitierte bei seiner Gratulation eine Bibelstelle aus dem Buch Amos: „Das Recht ströme wie Wasser und Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ So sollen auch die Bemühungen in Mühltal um einen gerechten Handel jetzt richtig „in Fluss kommen“. So trug Klein am E-Piano gemeinsam mit dem Gospelchor seiner Kirchengemeinde unter der Leitung von Friederike Graebsch bei der Verleihung zu einem feierlichen Rahmen bei.

Gerade der gesungene Appell, das von Konstantin Wecker vertonte Gedicht des katholischen Theologen Lothar Zenetti „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen, was keiner sagt, das sagt heraus, was keiner denkt, das wagt zu denken, was keiner anfängt, das führt aus“, berührte die Gäste sichtlich.

Im Anschluss an die Feier war Gelegenheit, im Foyer fair gehandelte Produkte zu kosten. Die Arbeiterwohlfahrt bot Säfte an, die Gemeindeverwaltung Kaffee, Schokolade und Bananen. Die Landeskirchliche Gemeinschaft präsentierte ihr Angebot. Auch örtliche Händler wie Edeka, Lidl, Modau-Apotheke, Getränke Hnyk oder Blumenwerkstatt stellten faire Produkte aus. Schüler der Steinrehschule hatten für die Verleihung Bilder und Collagen über fairen Handel angefertigt. Die Jugendförderung hatte die Gestaltung von Plakaten und Flyern übernommen.

Der Tag der offenen Tür – Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule / Ober-Ramstadt

Die Schülerinnen und Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule hatten sich im Vorfeld des diesjährigen „Tag der offenen Tür“ dazu entschieden, 50% der Einnahmen aus den verschiedenen Projekten einem gemeinnützigen Verein zu spenden, der direkte Entwicklungshilfe leistet. Im kenianischen Ukunda hat der Verein ein Waisenhaus und ein angrenzendes Schulgebäude, die Makemba-Academy, errichtet.

Heute konnten Schülerinnen und Schüler der GCLS voller Stolz Frau Maren Kehler einen Scheck über 900 € überreichen. Frau Kehler, die sich zur Zeit in Deutschland aufhält, ist die Gründerin des Vereins und lebt vor Ort in Kenia.

Mit diesem Verein „FUTURE FOR CHILDREN e.V.“ verbindet die GCLS eine lange Tradition, da die jetzige Klasse 10a seit vielen Jahren immer wieder die Arbeit in Kenia unterstützt hat. Mit der 6e wurde eine Klasse gefunden, die diese Verbindung zwischen der Schule und dem Verein weiter pflegen wird, wenn die Schülerinnen und Schüler der 10ten Klasse die Schule im nächsten Schuljahr zum Teil verlassen haben.